Geschichte erleben – Exkursion nach Nürnberg

Geschichte dort zu erleben, wo sie geschrieben wurde – dieses Ziel verfolgte die Exkursion nach Nürnberg, die erstmals auf freiwilliger Basis in der Q12 angeboten und von den Geschichtslehrkräften Frau Geers, Herrn Magg und Herrn Gehret begleitet wurde. Zwei interessante Tage boten den 29 Schülerinnen die Gelegenheit, zentrale Unterrichtsinhalte zum Nationalsozialismus und zur deutschen Nachkriegsgeschichte an authentischen Orten zu vertiefen und aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.

Bereits am ersten Tag führte der Weg nach einer kurzweiligen Busfahrt (Danke an Busfahrer Klaus und an Miehle Reisen) zum ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Trotz der noch frischen Morgenstunden wurde schnell deutlich, welche gewaltigen Dimensionen die Nationalsozialisten für ihre Propagandainszenierungen geplant hatten. Während der Führung erhielten die Schülerinnen von Herrn Magg spannende Einblicke in die Geschichte des Geländes, die Funktion der einzelnen Bauwerke sowie die ideologischen Ziele hinter der monumentalen Architektur.

Im Anschluss stand der Besuch der neu gestalteten Dauerausstellung im Dokumentationszentrum auf dem Programm. Die moderne Ausstellung griff zahlreiche Themen der Führung auf, vertiefte diese durch eindrucksvolle Exponate, Filmsequenzen und interaktive Elemente und veranschaulichte die Mechanismen der nationalsozialistischen Diktatur. Die Verbindung aus historischem Ort und Ausstellung sorgte für zahlreiche Aha-Momente und half dabei, das zuvor Gelernte nachhaltig zu festigen.

Nach einer kurzen Snackpause in der Nürnberger Innenstadt wartete bereits der nächste Programmpunkt: eine Free-Walking-Tour mit Stadtguide Andreas. Mit viel Humor und Fachwissen führte er die Gruppe durch die historische Altstadt. Dabei verstand er es immer wieder, das Vorwissen der Schülerinnen auf die Probe zu stellen und Bezüge zu bereits bekannten Unterrichtsinhalten herzustellen. Besonders spannend waren seine Vergleiche zwischen Nürnberg und Augsburg, die den Blick für Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden ehemaligen Reichsstädte schärften. Vom Schönen Brunnen führte der Weg über den Hauptmarkt hinauf zur Kaiserburg und schließlich zum berühmten Albrecht-Dürer-Haus – eine Route, die nicht nur geschichtliche Highlights, sondern auch beeindruckende Ausblicke bot – inzwischen auch bei sonnigem Wetter.

Am späten Nachmittag wurden schließlich die Zimmer im B&B Hotel am Hauptbahnhof bezogen. Der Abend konnte dann individuell gestaltet werden: Während einige die zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten der Innenstadt nutzten, genossen andere die kulinarische Vielfalt Nürnbergs oder erkundeten weitere Sehenswürdigkeiten und Hotspots der Stadt.

Der zweite Exkursionstag begann bewusst entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel, bevor es zum Memorium Nürnberger Prozesse ging. Im historischen Saal 600, dem Originalschauplatz der Nürnberger Prozesse, wurde ein bedeutendes Kapitel der Nachkriegsgeschichte greifbar. Besonders die äußerst detaillierte Dauerausstellung bot mithilfe eines Audioguides zahlreiche Informationen zu den Prozessen, den Angeklagten sowie der Entwicklung des internationalen Völkerstrafrechts.

Zum Abschluss blieb noch Zeit für ein wenig Freizeit in der Nürnberger Innenstadt, bevor die Heimreise angetreten wurde.

Fazit: Die Exkursion nach Nürnberg war in jeder Hinsicht gelungen. Zwar kamen bei unterschiedlichen Temperaturen an beiden Tagen einige Kilometer zusammen, doch gerade das Erkunden der historischen Orte zu Fuß machte Geschichte besonders anschaulich und lebendig. Die Verbindung aus Führungen, Museumsbesuchen und Stadterkundung ermöglichte einen nachhaltigen Zugang zu den Unterrichtsinhalten. Viele historische Zusammenhänge wurden greifbarer, neue Perspektiven eröffnet und das Verständnis für die Zeit des Nationalsozialismus sowie deren Aufarbeitung nachhaltig vertieft – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie gewinnbringend Lernen am außerschulischen Lernort sein kann.

Daniel Gehret

(Fachleitung Geschichte/Politik und Gesellschaft)