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Experimentieren – das ist cool!

Junge und jüngste Wissenschaftlerinnen beim Forscherinnentag am Stetten-Institut

Lilly pustet in einen Strohhalm. Der Strohhalm ist über einem Gummischlauch mit einem großen Glaskolben verbunden, der in einem Eimer mit Wasser steht. Sie presst auch noch den letzten Atem in das Rohr, verdrängt dadurch das Wasser aus dem Kolben und holt dann japsend und lachend Luft. „Und? Wieviel Liter Luft hab ich?“ „Drei Liter“, sagt die Achtklässlerin Carina, die die Station betreut. Lilly ist neun Jahre alt, geht in die vierte Klasse der Liroschule und weiß genau, was sie mal werden will: Ärztin in der Gynäkologie. Heute ist sie zu Gast im Stetten-Institut und macht beim Forscherinnentag wissenschaftliche Experimente.

Elf Stationen wurden für den Forscherinnentag im Natur-und-Technik-Klassenzimmer aufgebaut. An einer Station müssen Gummibärchen tauchen, ohne nass zu werden. An einer anderen fliegen Korken aus Reagenzgläsern, wenn Backpulver und Essig miteinander reagieren. An einer dritten kann man nicht-newtonsche Flüssigkeiten kennenlernen, falls man sie nicht aus der eigenen Küche schon kennt: Stärke und Wasser wird zu einer Masse, die bei Druck fester wird und nicht wie Wasser weggedrängt wird. Mikroskopieren, Riechen, Wiegen, Anzünden, Messen, Schätzen – in anderthalb Stunden lernen die Grundschülerinnen viele Phänomene aus Physik, Biologie und Chemie kennen und lassen sich die Experimente von den Achtklässlerinnen erklären. „Uns ist es ein Anliegen, Mädchen und Naturwissenschaften zusammenzubringen“, erläutert Schulleiterin Barbara Kummer den Forscherinnentag. Längst seien Frauen Männern auch im Wissenschaftsbetrieb noch nicht gleichgestellt, noch immer müsse man gegen Klischees angehen, auch was Mädchen und Naturwissenschaft angehe. „Am Stetten-Institut legen wir Wert auf eine profunde Bildung in allen Sparten“, so Kummer.

Die Klassenlehrerin der Liroschule Annette Walcher ist heute mit zehn Mädchen ins Stetten gekommen. „Dass das Stetten-Institut einen solchen Tag anbietet, ist fantastisch!“, so Walcher. „Auf spielerische, lebendige Weise bekommen Mädchen hier Zugang zur Wissenschaft. Ihnen wird von älteren Mädchen vorgeführt, dass alles erklärbar und beweisbar ist. Alle gehen hier mit großer Freude heran und sie stehen den Jungs in nichts nach beim Forschergeist“. Walcher selbst hat vor einigen Jahren auch in der Liroschule ein Forscherlabor eingerichtet, weil ihr das Thema auch in der Grundschule ein Anliegen war.

Organisiert haben den Forscherinnentag Katrin Andörfer-Lang und Brigitte Uhl, beide unterrichten Naturwissenschaften und haben die Achtklässlerinnen auf den Forscherinnentag vorbereitet. „Den Großen macht das sichtlich großen Spaß, den Kleineren die Phänomene zu erklären. Damit bekommen sie auch selbst einen anderen Zugang zum Fach. Und weil die Grundschülerinnen so unbefangen sind, geht das mit der Kontaktaufnahme ganz schnell“, berichtet Brigitte Uhl.

Anderthalb Stunden gehen schnell vorbei, Esther und Lilly haben noch ein paar Jahre Zeit bis sie vielleicht einmal Medizin studieren. Heute gehen sie aber bereits stolz mit dem Forscherinnen-Diplom des Stetten-Instituts nach Hause.